“Gipfelstimme” Q4/2025: Notruf aus den Alpen: Erfolge und Aussichten
Das Jahr 2025 markierte eine entscheidende Phase für die alpine Infrastruktur Österreichs: Die Kampagne „Notruf aus den Alpen”, die im Mai 2024 gestartet war, entwickelte sich zu einer breit getragenen Initiative, die Politik, Medien und Öffentlichkeit gleichermaßen erreichte. Mit über 105.000 Unterschriften für die begleitende Petition und der erfolgreichen Erhöhung der Fördermittel auf vorerst 15,44 Millionen Euro insgesamt für 2026 und 2027 konnten wichtige Meilensteine erreicht werden – allerdings nicht ohne Umwege und intensive Überzeugungsarbeit.
Verankerung im Regierungsprogramm: Ein erster Erfolg
Die Bemühungen der alpinen Vereine trugen bereits zu Jahresbeginn erste Früchte: Im Februar 2025 verankerte die neue Bundesregierung ÖVP-SPÖ-NEOS die Unterstützung der alpinen Infrastruktur im Regierungsprogramm. Nach monatelanger Kampagnenarbeit, unzähligen Gesprächen und über 100.000 Unterschriften war dies ein bedeutender politischer Erfolg. Die Forderung nach einer nachhaltigen Sicherung der Schutzhütten und Wanderwege wurde damit offiziell Teil des Regierungsauftrags.
Der Rückschlag: Budget ohne alpine Infrastruktur
Die Ernüchterung folgte jedoch bereits im Mai und Juni 2025. Im Budgetentwurf waren keine zusätzlichen Mittel für die dringend benötigte Sanierung der Schutzhütten und Wege vorgesehen. Auch die Interventionen des VAVÖ in der anschließenden Budgetdebatte konnten nicht verhindern, dass das Doppelbudget 2026/27 ohne Sondermittel für die alpine Infrastruktur beschlossen wurde. Die Diskrepanz zwischen politischem Bekenntnis und budgetärer Realität war eklatant.
Gesprächsoffensive, Wendepunkt & Durchbruch
Der VAVÖ reagierte mit einer klaren Strategie: Gebündelter Fokus auf die relevanten Entscheidungstragenden. Den finalen Impuls brachten die Gespräche mit Tourismus-Staatssekretärin Mag. Elisabeth Zehetner und der anschließende gemeinsame Besuch der Sonnschienhütte. Dies führte zu einer erfreulichen ressortinternen Maßnahme, die in die Aufstockung der Fördermittel von jährlich insgesamt 3,72 auf 7,72 Millionen Euro für die Jahre 2026 und 2027 mündete – und das in Zeiten rigoroser Sparmaßnahmen.
Petition als Ausdruck gesellschaftlicher Unterstützung
Die Petition „Notruf aus den Alpen” wurde zweimal verlängert – zunächst bis 15. September, später bis 31. Dezember 2025. Diese Verlängerungen ermöglichten es, insbesondere während der Hauptwandersaison weitere Bergbegeisterte zu erreichen und das Bewusstsein für die kritische Situation der Schutzhütten und Wanderwege zu schärfen. Die Petition hat ihre Aufgabe einstweilen erfüllt und das Anliegen in der politischen Agenda verankert. Sie wurde mit Ende 2025 eingestellt.
Realistische Einordnung und Ausblick
Bei aller Freude über die erreichte Erhöhung der Fördermittel bleibt der VAVÖ realistisch: Die insgesamt 15,44 Millionen Euro, die für 2026 und 2027 zur Verfügung gestellt wurden, sind ein wichtiger erster Schritt und ermöglichen die Umsetzung besonders dringlicher Maßnahmen. Für die langfristige Sicherung der alpinen Infrastruktur und die Bewältigung des gesamten Investitionsstaus bleibt die Forderung von „Notruf aus den Alpen“ aufrecht: nämlich die Rettung von 272 Schutzhütten und 50.000 km Wanderwegen. Ein ressort- und parteiübergreifender Schulterschluss muss daher Perspektiven für das Zukunftsprojekt „Schutzhütten & Wege“ schaffen.
Um die Umsetzung des Regierungsauftrages mit dem Ziel einer nachhaltigen Finanzierung zu erreichen, wird der VAVÖ die Gespräche mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern im neuen Jahr fortsetzen. Für 2026 ist ein runder Tisch geplant, an dem die Weichen für eine Finanzierungsperspektive nach 2027 gestellt werden sollen. Zusagen mehrerer Politikerinnen und Politiker gibt es bereits. Das Bergerlebnis und der Aufenthalt im alpinen Raum müssen auch für künftige Generationen gesichert sein.

